Live And Let Die – Vom Leben und vom sterben lassen oder was man vom (Charakter) Tod zu erwarten hat in einer nicht so ganz wirklich philosophischen Betrachtung

Geneigte Leserinnen, geneigter Leser,

für mich, wie für viele andere auch, liegt der Rollenspiel-Nicht-Sommer mit ihren Großveranstaltungen hinter mir und es warten noch verschiedene kleine ambientige Veranstaltungen, welche zum intensiven Charakterspiel und Charakter formen einladen.

Zum Thema:

in meinem Blog-Artikel vom 26. Februar 2015 „Der Tod ist nur der Anfang…“ habe ich mich recht kritisch mit dem Thema Tod im Rollenspiel und welche Chance es mir als Spieler bringt, diesen (letzten) Weg im Spiel zu gehen. Ich habe darüber reflektiert, was es mir selbst als Spieler in Rolle bringt meinen Charakter abzulegen, denn mein Spiel hört mit dem Zeitpunkt des Charaktertodes auf, zumindest in dieser Rolle. Die Frage, die ich damals stellte, kann man dem Titel des Blog-Artikels entnehmen, nämlich: „…was habe
ich selbst als Spieler davon?“

Warum ich erneut dieses Thema aufgreife und mich damit beschäftige? Weil mir das Spiel einer sehr guten Freundin einen Anlass dazu gab durch ihren, auf lange Sicht absehbaren jedoch trotzdem überraschend gekommenen, Charaktertod.

Es war ein viele Jahre lang bespielter Charakter und nicht wenig in der Spielwelt bekannt, nicht wenig umstritten in bestimmten Kreisen, doch geschätzt von jenen, die ihren wahren Wert für die Welt erkannt hatten. Jedoch gab es ein enges Band zwischen ihrem und meinem Charakter. Ohne zu tief ins Detail gehen zu wollen, hat der Tod meinen Charakter schwer getroffen und auch mich als Spieler hinter der Rolle nicht unberührt gelassen…

Das Ende eines Lebens beschäftigt uns natürlich auch über das Spiel hinaus, viele Menschen, mit denen ich das Hobby teile, haben schon jemanden verloren, jemanden, der nicht boron_2irgendwer war. Auch ich habe jemanden verloren, daher empfinde ich es schwierig für mich, dieses Thema im Spiel aufzugreifen, denn so sehr ich mich bemühe eine Grenze zu ziehen zwischen Spiel und Realität, wenn es um das Sterben und den Tod eines geliebten Menschen / Nicht-Menschen geht, gelingt es mir nur halb so gut, wie ich es mir wünschen würde für das Spiel, für meine Darstellung und was darüber hinaus geht.

Aber das ist für mich in Ordnung, ich handele entsprechend, entziehe mich Spiel-Situationen wenn ich merke, dass es mir zu viel wird und dann auch irgendwann nicht mehr der Darstellung dient. Zum Glück habe ich ein gutes Gespür dafür entwickelt, was mir gut tut und was eben nicht. Und ja, im Spiel bin ich masochistisch veranlagt, vor allem aber was physische Belastungen angeht, sicher auch was psychische Belastungen angeht, aber ich ziehe eine Grenze! Zudem befinde ich mich in einem Kreis an liebenswerten Menschen, die ein Gespür dafür haben, wann es mir zu viel wird und mir dies nicht nachtragen, wenn ich mich dann zurückziehe.

Dennoch, wie im wahren Leben gehört auch im Spiel das Sterben und der Tod mit dazu.

Heldentum lebt von der Sterblichkeit jener, die über sich selbst und andere hinaus wachsen! Gute Geschichten leben von unerfüllter Liebe verbunden mit tragischen Todesfällen, sowie heldenhafter Selbstlosigkeit bis in den Tod. Es gibt einfach keine gute Fantasy-Literatur oder keinen guten Fantasy-Film, ohne zu betrauernden Heldentod. Auch unser Hobby verhält sich da nicht anders. Wir sind Geschichtenerzähler, wir machen Geschichten für andere, uns eingeschlossen, erlebbar.

Das Ende der Existenz, der Tod, ist eine existentielle Bedrohung die uns verunsichert, verstört, verängstigt, weil ein Geist nicht begreifen, nicht greifen kann, was es bedeutet aufzuhören zu existieren…

Wo wir wieder bei einer doch sehr philosophischen Betrachtung sind…

Aber dorthin zieht es mich jetzt gerade eigentlich nicht.

Mein Wunsch ist es, jene SpielerInnen für ihr Handeln, ihr konsequentes Spiel bis hin zum eigenen Charaktertod, zu ehren und wertzuschätzen, in dem man sich als Charakter damit beschäftigt und diesen Verlust, ob schwer oder eher gering, zu einem Teil der eigenen Geschichte macht. Nicht weniger erwarte ich von mir selbst.

Jene Charaktere leben weiter in erzählten Geschichten, in Gedichten und besungenen Liedern.

Meinem Charakterspiel hat der im Spiel erlittene Verlust jetzt schon sehr viel mehr Tiefe verliehen: Mein Charakter folgt in der Welt Mythodea dem steinigen Pfad Terras. Anfang und Ende, Leben und Tod, wer stirbt geht in den Kreislauf ein. Das sind nur zwei Aspekte, Liebe zur Schöpfung und das Vergehen oder in anderen Worten gesprochen „Was wird, vergeht.“ Veränderung, Charakterentwicklung ist meine Form der Wertschätzung. Mehr kann ich als Spieler und Geschichtenerzähler nicht leisten, mehr kann ich nicht tun, aber ich empfinde es als eine sehr angemessene und schöne Art und Weise einem Spieler, einer Spielerin „Danke“ zu sagen für die Möglichkeit auch an traurigen und tragischen Begebenheiten im Spiel zu wachsen. Allein den Namen immer wieder zu nennen genügt meinem eigenen Anspruch nicht, ich denke, so ein selbstloses Opfer gehört stärker gewürdigt. Es genügt mir nicht einen Tag zu trauern, einen die Toten zu feiern, meinem persönlichen Empfinden nach sollte etwas geschaffen werden was bleibt und mehr ist als Erinnerung…

Mal schauen, ob ich mir selbst dabei gerecht werde.

Fortsetzung folgt.

Gute Nacht!

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