Rollenspiel und Kampf: Der Wunsch nach Sterblichkeit

Geneigte Leserinnen, geneigte Leser,

wir haben Sommer, zumindest steht das so im Kalender, was vor allem bedeutet, dass die Live-Rollenspiel-Saison im vollen Gange ist und die Großveranstaltungen mit spannenden Geschichten ihre Schatten voraus werfen.

Die Folge ist, dass man sich noch ein wenig mehr mit dem besten Hobby der Welt beschäftigt, auf die eine oder andere Art und Weise, handwerklich mit den Händen oder mit Gedanken im Geiste. Da ich zum Glück alle Projekte abschließen konnte und nur noch ein paar Ausrüstungsteile werde reparieren müssen, habe ich Zeit mich in Gedanken mit einem Thema auseinanderzusetzen, welches durch einen Blogeintrag wieder angeregt wurde…

In diesem Rückblick geht es unter anderem um das Konzept LarpMit! oder einfach dem schöneren Ausspielen von Verletzungen durch Treffer und im Allgemeinen das schönere miteinander spielen durch Interaktion.

Ein Thema, was mich auch immer beschäftigt und bewegt, denn eigentlich sollte doch jedem, der dieses Hobby teilt, klar sein, dass es ohne den jeweilig anderen nicht geht und man sich nur gemeinsam ein schönes Rollenspiel-Erlebnis schaffen kann.

Ich glaube nicht, dass diese Spiel-Philosophie so fremdartig, so anders und schon gar nicht neu ist.

Allein deswegen nicht, weil ich schon wieder darüber schreibe…

Und dennoch scheint es immer wieder nicht gerade vereinzelt aufzukommen, dass gerade in Kampf-Situationen, Regeln gedehnt oder missachtet werden, leider nicht zu Gunsten schöner Darstellung und tollen gemeinsamen Spiels, sondern in einer Art und Weise, die wenig bis gar nicht spielfördernd und für alle anderen Beteiligten zudem extrem unbefriedigend und frustrierend ist.

Wie wurde das so schön kommentiert, sinngemäß wiedergegeben und zusammengefasst: Warum sollte ich mich zu meinem eigenen Nachteil nach einem gut gelandeten Treffer direkt in den Dreck schmeißen, unabhängig davon, wie viele Rüstungspunkte oder Lebenspunkte ich noch zähle, wenn andere offensichtlich unsterblich mit unkaputtbarer Rüstung eine Welle nach der anderen bestehen und sich dann am Besten noch darüber echauffieren, warum man denn nicht mehr kämpfen mag, so mit einer Axt im Rücken…

Diese Frage stellt sich durchaus, aber eine Antwort darauf zu suchen, warum und weshalb, ist ebenso frustrierend, wie so jemanden auf dem Schlachtfeld neben sich zu wissen.

Einfacher ist es daher, sich selbst und seiner eigenen Spiel-Philosophie im Sinne von LarpMit! treu zu bleiben und zu hoffen, dass andere Mitspieler daran ein Beispiel nehmen. Und sollte es notwendig werden, anderen Spielern aufzuzeigen, dass ihr Verhalten wenig bis gar nicht spielfördernd ist, dann muss man dies eben tun! Das muss nicht zwingend immer die Spielleitung machen.

Eine Zeit lang kann man sicher darüber hinweg sehen und Spieler-Verhalten gezielt ignorieren, aber dadurch ändert sich leider auch nichts!

Darum bin ich froh, wenn Artikel in einem Blog erscheinen und sich Veranstalter und Spielleitung auch mal kritisch zu Wort melden und eben aufzeigen, was man selbst vielleicht ganz anders oder gar nicht wahrnimmt. Die Fähigkeit über das eigene Verhalten zu reflektieren hat nicht jeder inne, manchmal ist Hilfe von Außen notwendig und auch ratsam.

Aber zurück zu den Grundlagen für schöne Kampf-Darstellung, Spielangebote für das Heilerspiel und der Kritik an der Umsetzung:

Meine Meinung, Rüstungspunkte und Lebenspunkte hin oder her, egal, was man bekommt, von was man getroffen wird, wer einen getroffen hat, wo und wie man getroffen wurde, man sollte immer eine glaubhafte Rückmeldung geben. Ein magischer Schutz hebt die Physik (meines Wissens nach) nicht auf, sondern verhindert nur den Schaden. Auch ein Zweihandhammer, der auf Kettenhemd und wattierte Unterkleidung trifft, hinterlässt etwas, zumindest in meiner Welt. Ebenso verhält es sich mit mehreren Lagen an Rüstung, welche (regeltechnisch) Geschosse aufhalten können, die Wucht des Einschlages überträgt sich dennoch und verursacht auch Blutergüsse, vielleicht sogar mal eine angebrochene Rippe. Alles nicht lebensbedrohlich, für einen Heiler aber Spielangebote, die man als Krieger aus der Schlacht mitbringt.

Und was ernsthaftere Verletzung im Spiel angehen… Wenn mich ein Pfeil in die Schulter erwischt, wie zuletzt auf einer Siedlercon, dann liege ich. Da helfen mir auch unzählige Lebenspunkte nicht. Klar bringe ich mich um die Möglichkeit ein richtig harter Kerl zu sein, weil ich mit einem Pfeil im Rücken eigentlich noch lange nicht nach Hause gehe, aber es hat eine glaubhaftere Darstellung zur Folge und bietet, wie ich finde, einfach schönere Möglichkeiten für gemeinsames Spiel.

Hier mal ein Beispiel, so erlebt, aus dem letzten Jahr (CvM):

Lebensfunke halten) Der Untod bedrängte uns, Lares-Edorian hatte bereits eine blutende Wunde am Oberschenkel, aber er kämpfte weiter, bis ein dumpfer Schlag ihn traf: Ein Pfeil steckte in seiner rechten Brust. Lares-Edorian brach um Luft ringend zusammen. Verängstigt und hilflos blickte er sich um, als Valena in sein Blickfeld trat, sich zu ihm kniete. Ihre Hände hielten seinen Kopf. „Ich hab dich. Ich halte dich.“ waren ihren Worte, als sie begann seinen Lebensfunken festzuhalten, denn Lares-Edorians Lungen füllten sich bereits mit Blut und er drohte darin zu ertrinken. Valena rief nach Heilern, Kahina und Caramell kamen, um sein Leben zu retten, während Shanna hilflos Lares-Edorians Hand hielt.

Ich will in meiner Darstellung nicht den Anschein erwecken unsterblich zu sein! Ich will ein Mensch sein, ein sterbliches Wesen, welcher über die Grenzen des einfachen Seins hinaus geht und wie will man das erreichen, wenn man einfach alles einfach so mit einem Schulter zucken überlebt? Das funktioniert einfach nicht in der Erzählwelt!

Auch wenn ich mich wiederhole, ich habe bisher mit dieser Spiel-Philosophie gute Erfahrung gemacht und episches Rollenspiel erleben dürfen, von daher traut Euch, es lohnt sich! Wirklich!

Ein überzeugter Sterblicher

Advertisements

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Myrea_F sagt:

    Ein sehr schöner Text, den ich voll und ganz unterschreiben kann – grade als Heilerspieler. 😉

  2. Yup, Sterblichkeit ist Spiel.
    Es gibt kaum tieferes Spiel als Nahtod Erfahrungen, welche mit anderen geteilt werden (Heiler und Retter).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s