Der Tod ist nur der Anfang… die Frage ist nur, für wen genau eigentlich und was habe ich selbst als Spieler davon?

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Ich grüße Euch, geneigte Leserin, geneigter Leser,

lange war es still geworden, doch nun beschäftigt mich eine dringende Frage, obwohl ich mir vorgenommen hatte mich in Zukunft weniger mit Tod und Krankheit zu beschäftigen, liegt mir dieses Thema doch oder gerade deswegen irgendwie am Herzen:

Der Tod oder näher der Charaktertod.

Auch in einer Fantasiewelt ist der schweigsame Gott des Todes ein ständiger Begleiter, ob auf dem Schlachtfeld oder im Krankenbett, wobei letzteres eher selten vorkommt, denn wir spielen ja alle Helden, ohne Ausnahme, wer will da schon an Altersschwäche oder an einer Krankheit sterben?

Aber auch unheldenhafte Tode seien schon vorgekommen und wird nicht kategorisch ausgeschlossen, es ist nur nichts, was sich ein richtiger Krieger wünscht, denn ein richtiger Krieger möchte im Kampf fallen, für eine gute Sache und als Held gefeiert, in Lieder besungen und in Gedichten erwähnt werden. Ähnlich verhält es sich mit Suizid im Rollenspiel.

Soweit die Theorie.

Im Live-Rollenspiel gibt es zwei mögliche Wege seinen eigenen Charakter unter die Erde zu bringen und darin unterscheidet sich die Spielwelt nicht von unserer realen Welt:

Entweder sterben wir selbstbestimmt oder fremdbestimmt.

Mit selbstbestimmt ist jedoch nicht zwingend der im Spiel gewählte Freitod gemeint, kann, muss nicht, ich meine die bewusste Entscheidung den eigenen Charakter durch äußere Umstände sterben zu lassen, sei es drum, dass man die Wahl trifft sich in einem ausweglosen Kampf zu opfern oder man seiner frei gewählten Bestimmung in den Tod folgt.

Soviel zu den erzählerischen und spielerischen Mechanismen.

Dann gibt es noch die Opferregel, welche ein Regelmechanismus ist, der einem Spieler erlaubt selbst zu entscheiden, wann der eigene Charakter nur kampfunfähig ist oder wann er stirbt, anders ausgedrückt, ein Spieler muss reflektiert genug sein um zu sehen, ob die Verletzung, die er erlitten hat zwar schwer sind, er aber mit Müh und Not überlebt oder ob er schlichtweg an den Verletzungen stirbt.

Diese Regel erachte ich als sehr sinnvoll, warum, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt erläutern.

Und was meint jetzt fremdbestimmt?

Wie der Name schon sagt, jemand anderes bestimmt darüber, ob mein Charakter stirbt oder nicht.

Im Spiel kann ein fremdbestimmter Tod in jeder kämpferischen Auseinandersetzung die Folge sein, bin ich unterlegen, entscheidet mein Gegenüber, ob mein Charakter leben oder sterben soll. Während in einer Schlacht es meistens genügt den Feind kampfunfähig zu machen, ist es manchmal aus erzählerischer Sicht notwendig jemanden frei nach Pratchett zu inhumieren.

That’s the game, isn’t it?

Regeltechnisch sehen manche Regelwerke den Todesstoß vor, mit diesem Todesstoß setzt man dem Leben eines anderen Charakter sein Ende. Man entscheidet über Leben oder Tod.

Dies mag im Spiel nicht zwingend Konsequenzen haben, für den Spieler hat es jedoch in jedem Fall welche:

Game Over, das Spiel ist vorbei!

Grundlegend will ich sagen, dass gegen einen Charaktertod erst einmal nichts einzuwenden ist, er birgt meist eine große Tragik (Drama, Baby!) und hat viel Potential für schönes emotionales Spiel innerhalb einer Gruppe, sofern die Spielerschaft mitspielt und an dem Ereignis partizipiert wird.

Doch es gibt ein aber…

An einem Charakterkonzept hängt meistens mehr als nur ein paar Lebens- und Erfahrungspunkte innerhalb eines auf Punkten basierenden Systems.

Es gibt Charakterkonzepte die seit vielen Jahren bespielt werden, es wird Zeit und Geld in die Ausrüstung gesteckt, Faktoren, die durchaus berücksichtigt werden sollten.

Doch dieser Umstand wird zu gerne als Ausrede genommen, welches dann inkonsequentes Rollenspiel in Kampfhandlungen zur Folge haben kann. Leider. Denn schnell verwandelt sich die Angst vor dem Verlust des eigenen liebgewonnen Charakters in einen Wettkampfgedanken und dem dringenden Wunsch als Sieger aus einem Zweikampf hervor gehen zu müssen. Das Ergebnis ist sicher vieles, aber ganz klar kein schönes und gutes Rollenspiel!

Aber kann man es den Leuten verübeln?

Noch einer anderer Aspekt, der es schwierig machen könnte los zu lassen:

Verlust sozialer Bindungen durch Neueinstieg.

Wenngleich in der Regel das soziale Gefüge einer Rollenspielgruppe trotz des im Spiel erlebten Charaktertodes bestehen bleibt, fällt ein Neueinstieg manchmal doch schwer, denn unter Umständen kann es sein, dass nach dem selbst herbeigeführten oder fremdbestimmten Charaktertod das böse erwachen kommt und dieser Neueinstieg schlichtweg kaum bis gar nicht funktioniert. Doch rückgängig machen kann man das nur selten, denn alles mit einem Wunder zu begründen, ist selbst für eine Fantasiewelt unbefriedigend und wirkt meistens plump.

Kommen wir also wieder zur Opferregel und meinem eigenen Verhalten im Rollenspiel.

Ich selbst bevorzuge die Opferregel und handele danach. Ist in einem Regelwerk dieser Regelmechanismus nicht vorgesehen, muss ich mich darauf verlassen, dass meine Mitspieler meine Spielphilosophie teilen, dass ich selbst darüber bestimmen will, wann mein Charakter stirbt und wann nicht.

Eine Zeit lang dachte ich, es könnte mir nichts ausmachen mich von meinem Charakter jederzeit zu trennen, aber manchmal grätscht das wahre Leben dazwischen und verändert einfach alles…

Tatsache ist, dass ich mich vom Wettkampfgedanke im Live-Rollenspiel distanziere. Ich möchte mich nicht mit meinen Mitspielern um die Wette klopfen müssen, weil es um mein (!) Leben geht. Das habe ich im Turniersport, das brauche ich nicht auch noch im Live-Rollenspiel.

Und dieser Umstand gibt mir die Freiheit mich auf meinen Mitspieler einzulassen, ihm und allen Beteiligten einen schönen Kampf zu bieten, mit realistischen Verletzungen, wo eben ein Schwertstreich an der falschen Stelle allein eine ernste Bedrohung darstellt.

Ebenso wie ein Bolzen in der Brust. Ich habe Spieler gesehen, die als Pfeiligel durch die Schlachtreihen gerannt sind und ich mir nur dachte: Harte Sau! Ist aber nicht mein Spiel. Mit einem Pfeil oder Bolzen in der Brust, renne ich nirgendwo mehr hin oder zumindest nicht sehr lange. Ich achte da nicht auf Rüstungspunkte oder die vielen Lebenspunkte, die mich und meinen Charakter zu einem echt zähen Kerl machen, wenn die Situation passt und der Treffer gut platziert war, warum dem Mitspieler nicht diesen Erfolg gönnen einen Spieler beim ersten Treffer zu fällen?

Diese Freiheit wird mir schlichtweg genommen, wenn ich ständig nur Angst haben muss, meinen Charakter zu verlieren.

Was kann ich zusammenfassend sagen?

Einen Charaktertod kategorisch ausschließen kann und will ich nicht, ihn einfach so hin nehmen, will und kann ich auch nicht, weil mein Charaktertod für mich persönlich gegenwärtig nicht gewinnbringend und spielfördernd wäre. Den Zeitpunkt meines fiktiven Ablebens bestimme ich selbst, denn ich erzähle eine Geschichte und als Autor Maße ich mir an, selbst zu entscheiden, wann dieser Heldenmoment gekommen ist. Ich bin ein Geschichtenerzähler, ich unterhalte gerne meine Mitmenschen, auch mit meinem Rollenspieldasein und halte es wie H.P.Lovecraft: Alle meine Charaktere sterben oder werden wahnsinnig und sterben dann.

Phtagn?

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